Der Weg einer nachhaltigen Entwicklung verläuft nie geradlinig. Unterschiedlichste Fragestellungen auf unterschiedlichsten thematischen Ebenen und Konkretisierungsstufen mit zeitlich unterschiedlichen Zyklen müssen von Gemeinden bearbeitet werden und auf ein Ziel ausgerichtet werden: Auf den «Leitstern Nachhaltigkeit», wie er im Modell der «Nachhaltigkeitsorientierten Führung von Gemeinden»1 bezeichnet wird. Dieses Modell stärkt die Ausrichtung von Gemeinden auf langfristige Strategien und Visionen und anerkennt die unterschiedlichen Handlungsebenen – und zyklen von Gemeinden sowie die sich daraus ergebenden Interaktionen und Rückkopplungseffekte. Dem Leitstern werden kurz-, mittel- und langfristige Steuerungs- und Planungszyklen zugeordnet. In diesen Zyklen erfolgen Analysen, Berichterstattung, eine Beurteilung des Zielerreichungsgrades sowie die Neujustierung der eingesetzten Mittel (Abbildung „NOGF-Modell“). Umfasst werden diese Prozesse von der Politik- und Verwaltungskultur. Sie setzt den Rahmen und prägt den Spirit, in welchem sich Akteure einbringen und entfalten können.
Wie greifen nun diese zeitlich unterschiedlichen Planungs- und Aktivitätenzyklen in einander und welche Bedeutung kommen dabei unterschiedlichen Aufgabenstellungen zu? Die Abbildung „Planungsturm“ versucht, die Anwendungszwecke zeitlich ein- und einer Konkretisierungsstufe zuzuordnen. Dabei bewegen sich die Instrumente vom Leitbild/Vision (langfristig) zu den mittelfristigen Zyklen (Energieplanung/Energiekonzepte, bis zur Bilanzierung) über einen kurzfristigen Zeithorizont (Buchhaltung) bis zu einem ultrakurzen Zeithorizont, so wie er sich in der Gebäudeautomation und seinem entsprechenden Controlling manifestiert. So ermöglicht diese Abbildung eine weitere Einordnung der Anwendungen, indem sie die zeitliche Dimensionen der Energiestrategie 2050 des Bundes, der 2000-Watt-Gesellschaft sowie kommunaler Anwendungszwecke wie Leitbilderarbeitung, Ausarbeitung Energiekonzepte und Energieplanung in Übereinstimmung mit dem Aktualisierungsrhythmus der Hilfsmittel und Tools bringt.

Planungsturm: Die verschiedenen Anwendungszwecke bauen aufeinander auf, sind zeitlich versetzt, weisen unterschiedliche Aktualisierungsrhythmen auf und werden in der Tätigkeitsplanung konkretisiert.
Bei jedem dieser Instrumente geht es entweder um Energiekennzahlen, Messwerte oder um Regelwerke, wie die Kennzahlen erhoben werden sollen. Diese Kennzahlen und Regelwerke dienen dazu, die Herausforderungen einer Gemeindeführung, welche auf den Leitstern Nachhaltigkeit ausgerichtet ist, besser angehen zu können. Sie sind notwendig, um
- die Ausarbeitung und Verabschiedung von räumlichen und energiepolitischen Leitbildern,
- die Abstimmung der Energieversorgung mit dem Bedarf,
- die alltäglichen Herausforderungen der stets wachsenden Mobilität,
- die Positionierung der Gemeinde im Wettbewerb um die Standortgunst von Unternehmen,
- die Erbringung des Leistungsnachweises einer nachhaltigen und zukunftsgerichteten Gemeinde,
- die Führung der Gemeinde als Energiebezügerin und der damit verbundene effiziente und kostengünstige Einsatz der Energie in den eigenen Gebäuden und Betrieben
vornehmen und sichern zu können.
Eine fundierte Basis an Kenntnissen und Kennzahlen erlaubt die Beantwortung folgender Fragen:
- «Wo steht die Gemeinde im Vergleich zu regionalen, kantonalen und nationalen Vorgaben heute, wo will sie in 15 Jahren stehen und wie kann die Entwicklung in die gewünschte Richtung gelenkt werden?»
Energiekennzahlen leisten einen wichtigen Beitrag zu dieser Wissensbasis.
Quellen
- nach: „Nachhaltigkeitsorientierte Führung von Gemeinden“, Fricker, Kägi, Kunz, Müller & Schwaller, 2010
