Wettingen ist eine Gemeinde im Limmattal unmittelbar angrenzend an Baden. Mit rund 21`000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist Wettingen etwa gleich gross wie die Kantonshauptstadt Aarau, verfügt jedoch nicht über deren Verwaltungs-Ressourcen. Mit den Aufgaben einer Stadt konfrontiert, ist es für die Gemeinde nicht einfach, neben dem Tagesgeschäft langfristige Ziele stetig zu verfolgen und dazugehörende Aufgaben konstant zu erledigen. Mit Teamwork, guter Organisation und Pragmatismus ist es der Abteilung Liegenschaften dennoch gelungen, für die Kindergärten, Schulen und die Verwaltungsgebäude eine Energiebuchhaltung aufzubauen. Für rund 15 Gebäude wurden der Energieverbrauch nach den Energieträgern Strom, Oel, Holz, Gas sowie der Wasserverbrauch erfasst. Nach der Ersterfassung vor zwei Jahren steht nun im Sommer eine erste Nachführung an. Diese soll mit der Unterstützung einer Praktikantin angegangen werden. Im Gespräch erläutern Csaba Dul, Fachspezialist Liegenschaften und Josefine Spangenberg, Fachspezialistin Bauverwaltung + Planung wie sie die Aufgabe angepackt haben.
Sehr geehrter Herr Dul,
sehr geehrte Frau Spangenberg
Was war der Auslöser für den Aufbau einer Energiebuchhaltung?
Csaba Dul: Auslöser dafür war ein Auftrag des Energie-Ausschusses an die Abteilung Liegenschaften. Er wollte sich einen Überblick über den energetischen Zustand und den Energieverbrauch der Liegenschaften aus dem Verwaltungsvermögen Wettingens verschaffen. Diesen Auftrag haben wir mit dem Aufbau der Energiebuchhaltung erfüllt. Zusätzlich zur Energiebuchhaltung wurden durch den Gemeinde-Energieberater für fünf Liegenschaften ein Zustands-Bericht verfasst. Aufgrund dieser Unterlagen wurde dann dem Energie-Ausschuss Bericht erstattet. Leider sind daraus keine konkreten Massnahmen abgeleitet worden.
Wie haben Sie es geschafft, die Energiebuchhaltung neben dem Tagesgeschäft aufzubauen?
Csaba Dul: Wir haben uns die Arbeit im Team aufgeteilt und sie über drei Jahre etappiert. So war es möglich, sie zu bewältigen.
Josefine Spangenberg: Eigentlich ist die Führung einer Energiebuchhaltung vor allem eine Fleissarbeit. Mit dem Auftrag des Energie-Ausschusses war es klar, dass wir diese Aufgabe zu erledigen haben. Mit der Nachführung ist es nun schon schwieriger. Hier können wir in diesem Jahr auf die Unterstützung durch eine Praktikantin zählen. Es ist wichtig, dass sich nun jemand ungestört über eine längere Zeitperiode dieser Nachführung widmen kann. Mit der ersten Nachführung werden wir jedoch auch eine Qualitätsprüfung vornehmen und insbesondere die Energiebezugsflächen nochmals begutachten. Diese Qualitätsprüfung wird unsere Aufgabe bleiben und kann nicht einer Praktikantin übertragen werden.
Wie sind Sie bei dieser Arbeit mit dem Energie-Buchhaltungsprogramm EnerCoach zurechtgekommen?
Josefine Spangenberg: Wir haben uns selbstständig in die Energiebuchhaltungs-Software EnerCoach online eingearbeitet. Das ging gut, da EnerCoach grösstenteils selbsterklärend ist. Auch die Generierung von Berichten, Grafiken und Datenblättern hat gut geklappt.
Hat es Überraschungen bei den Resultaten gegeben? Oder haben sich Ihre Vermutungen über den Energieverbrauch der einzelnen Gebäude bestätigt?
Josefine Spangenberg: Nein, grosse Überraschungen haben wir keine erlebt. Kleine vielleicht in einem positiven Sinn: Einige Gebäude waren doch nicht so schlecht, wie befürchtet …
Erfassen die Hauswarte für sich zusätzlich den Energieverbrauch der Liegenschaften , indem sie die Zähler ablesen?
Csaba Dul: Nein, die Hauswarte sind sehr ausgelastet. Wir wollen sie nicht mit dieser Aufgabe zusätzlich belasten. Wir streben hier einen anderen Weg an: Wir erarbeiten zur Zeit eine Vorlage an den Gemeinderat, bei welchem wir einen Kredit für die Gebäudeautomation der Schulhäuser innerhalb von 6 Jahren beantragen. Mit der Einführung der Gebäudeautomation ist es dann möglich, die Energiedaten der einzelnen Zähler von unsern Arbeitsplätzen aus abzulesen. Das bringt dann sowohl für alle eine zeitliche Entlastung als auch einen verbesserten Betrieb der Gebäude: So können zum Beispiel die Ferien- und Wochenendabsenkungen optimiert werden. Davon erwarten wir Einsparungen beim Energieverbrauch und eine verbesserte Energieeffizienz.
Welchen Rat geben Sie Gemeinden mit, welche eine Energiebuchhaltung einführen wollen?
Csaba Dul: Es gibt unterschiedliche Betrachtungsweisen: Vor der Beschaffung von Software, z.B. für die Zustandserfassung von Liegenschaften, ist zu klären, welches Ergebnis erwartet wird und welche Entscheide das Ergebnis nach sich ziehen soll. Dann ist zu klären, ob und wo die personellen Ressourcen zur Datenerfassung, Anwendung und Pflege der Software vorhanden sind. Doch oft geht vergessen, dass mit der Beschaffung der Hilfsmittel die Arbeit noch nicht getan ist. Die Daten müssen regelmässig aktualisiert und ausgewertet werden und basierend auf diesen Erkenntnissen müssen auch Massnahmen abgeleitet und umgesetzt werden. Das erfordert entweder Finanzen oder Arbeitszeit. Oft ist man sich zu wenig bewusst, welcher Aufwand hinter der Datenerfassung und -auswertung steckt. Deshalb muss sich eine Gemeinde bereits bei der Beschlussfassung im Klaren sein, was mit einer Energiebuchhaltung – oder auch einem anderen Tool – erreicht werden soll und ob sie bereit ist, für die Verfolgung dieser Zielsetzungen auch die entsprechenden (Finanz oder personellen) Ressourcen zu sprechen.
Stehen noch weitere Aufgaben im Energiebereich an?
Csaba Dul: Bis Ende März soll das Energieleitbild Wettingens überarbeitet werden. Die Führung der Energiebuchhaltung wird darin sicher neu Eingang finden.
Vielen Dank für das Gespräch!



