Nottwil macht vorwärts: Bereits die erste Zertifizierung zur Energiestadt im Jahr 2012 hat Nottwil mit einer guten Reserve geschafft. Bei der zweiten Zertifizierung wurde fast die 70% Marke überschritten. Die Gemeinderäte Nottwils leben das Geschäftsführermodell – jeder Gemeinderat ist für einen Bereich zuständig. Marcel Morf, Gemeinderat Ressort Bau, ist dies für den Baubereich und somit auch für die Energiethemen – und nicht ganz unschuldig an der Vorwärtsstrategie Nottwils.
Sehr geehrter Herr Morf, wie geht die Gemeinde Nottwil Energiethemen an?
Durch das Geschäftsführermodell Nottwils gibt es für jeden Bereich einen Ressortverantwortlichen oder –verantwortliche. Ich bin für den Bereich Bau in einer Führungsposition zuständig. Ich kann mich aufgrund meiner Funktion nicht um alle Details kümmern – operativ liegt die Aufgabenerfüllung bei der Verwaltung. Auch unser Energieberater nimmt eine wichtige Rolle war- mit ihm stehen wir in regem Austausch.
Für alle gemeindeeigenen Bauten und Anlagen führt Nottwil eine Energiebuchhaltung. Wie gehen Sie dabei vor?
Unsere Hauswarte habe die Aufgabe, jeden Monat die Zähler abzulesen und die Werte in eine Excel-Tabelle einzutragen. Damit haben bereits die Hauswarte den Überblick über den Energie- und Wasserverbrauch und können, wenn etwas ausserhalb der normalen Schwankungen liegt, schnell reagieren. Diese Excel-Tabellen werden an unseren Energiestadtberater weitergeleitet. Er fürht die eigentliche Energiebuchhaltung und aktualisiert diese jährlich.
Sie haben sich in Ihrer Massnahmenplanung zum Ziel gesetzt, die «Bilanz- und Indikatorensysteme» zu aktualisieren. Was verstehen Sie darunter?
Es gibt verschiedene Ebenen, auf welchen wir Indikatoren angehen wollen: Einerseits möchten wir sie vermehrt nutzen, um die Bevölkerung über die Entwicklung ihres privaten Wasser- und Energieverbrauchs zu informieren und sie für Energieeffizienzmassahmen im Haushalt zu sensibilisieren. Wir werden in den Energierechnungen die Vergleichswerte der Vorjahresperiode von Wasser- und Stromverbrauch aufnehmen. So hat jeder Haushalt Klarheit über die Entwicklung seines Verbrauchs. Auf Gemeindeebene möchten wir die Indikatoren in den Bereichen Entsorgung und Recycling einführen, damit wir Steuergrössen zur Hand haben, um die Entsorgungswege oder das Abfuhrregime einzelner Entsorgungsgüter optimieren zu können und im Energiebereich stützen wir uns auf den Energiespiegel des Kantons ab. Er gibt einen umfassenden Überblick über unsere Energiekennzahlen und stellt für uns eine wertvolle Planungsgrundlage dar. Wir erhoffen uns von seiner Aktualisierung durch den Kanton neue Informationen über die Entwicklung seit der letzten Ausgabe. Den energetischen Zustand der Gebäude wollen wir mit dem Gebäudeausweis der Kantone, GEAK, belegen und damit die anstehenden Sanierungsmassnahmen besser planen.
Wie gelingt es Ihnen, die Informationen aus den Bilanz- und Indikatorensystemen in aktuelle Entscheidungen umzusetzen?
Im Bereich Entsorgung sehen wir, ob sich die Recyclingquoten in die richtige Richtung entwickeln, oder ob wir Änderungen vornehmen müssen – so genügt z.B. das System mit einem zentralen Sammelplatz für Grüngut nicht mehr und wir überlegen uns, ob wir eine Grüngutsammlung einführen. Beim Energieverbrauch der gemeindeeignen Bauten und Anlagen hat uns der hohe Anteil an Heizöl veranlasst, in kürzester Zeit einen Wärmverbund im Zentrum Nottwils zu realisieren. Nun werden die Schulhäuser, die Sporthalle, das Gemeindezentrum, die Kirche, aber auch private Gebäude mit einem Holzschnitzel-Wärmeverbund beheizt. Auch den Stromverbrauch für die Strassenbeleuchtung möchten wir senken, indem wir die gesamte Strassenbeleuchtung in einer Etappe auf LED umstellen werden. Diese Bemühungen zeigen sich dann in den Energieverbrauchszahlen und die Verbesserungen lassen sich ausweisen.
Worin sehen Sie den Erfolg von Nottwil begründet?
Ohne persönliches Engagement und persönliche Überzeugung geht es nicht. Wichtig ist aber auch, dass man mit den Leuten – sowohl mit der Bevölkerung als auch mit den Mitarbeitenden der Verwaltung – in Kontakt bleibt, sie sensibilisiert und Kommunikation als Aufgabe wahrnimmt. Dem Gemeinderat ist der Kontakt zur Bevölkerung wichtig; er tauscht sich bei regelmässigen Quartieranlässen mit den Einwohnerinnen und Einwohnern aus. Zudem publiziert Nottwil monatlich eine Gemeindezeitung, welche über die Geschehnisse im Dorf berichtet. Auch Energiethemen finden darin ihren Eingang – manchmal sogar, ohne dass ich das weiss: Die Mitarbeitenden in der Verwaltung sind sensibilisiert und nehmen entsprechende Artikel und Mitteilungen auf. Das funktioniert, wenn man ihnen dafür den Raum gibt.
Was würden Sie eine Gemeinde raten, welche sich verstärkt in Energiefragen engagieren möchte?
Wie gesagt, Motivieren und Sensibilisieren gegen aussen und innen sind wichtig. Und dann hilft es, einzelne gute Beispiele zu realisieren und darauf aufzubauen. Unser neues Schulhaus ist ein Holzbau mit LED-Beleuchtung und weist ein gutes Raumklima auf. Das kann man kommunizieren und vorzeigen. Kleinere Gemeinden können gut objektbezogen arbeiten und sie haben den Vorteil kurzer Wege; es braucht nicht unbedingt eine Gebäude-Strategie, um seine Bauten und Anlagen gut zu planen und zu betreiben.
Vielen Dank für das Gespräch!



